EMPATHIE UND NARZISSMUS

Co-Narzissmus: Überlebenskampf erkennen – Aus dem Drama aussteigen

Co-Narzissmus: Überlebenskampf erkennen – Aus dem Drama aussteigen


A. Erläuterndes Vorwort

Wir alle haben sie: Notfallprogramme. Physiologische und psychologische Programme, die tief in uns sitzen. Sie sind in einem der ältesten Areale unseres Gehirns verankert: Dem Hirnstamm.
Flucht, Kampf oder Erstarrung sind übliche Reaktionen, die sich dann automatisch einstellen, wenn wir uns einer Bedrohung ausgesetzt sehen. Ob es sich dabei um eine reale oder befürchtete Bedrohung handelt, ist unwichtig. Denn unser System agiert subjektiv. Auf Basis von Lernprozessen fungieren für jeden individuell spezifische Reize als Trigger für die Notfallprogramme. U.a. in der Verhaltenstherapie kann man derartigen Reizen auf die Spur kommen (mithilfe sogenannter vertikaler und horizontaler Verhaltensanalysen.

Im Notfallmodus verändern sich chemisch-physiologische und somatische Parameter (z.B. erhöhter Herzschlag, Muskelkontraktion etc.). Unsere Wahrnehmung verändert sich ebenso. Z.B. im Hinblick auf die räumliche Wahrnehmung.
Potentiell bedrohliche Reize werden einfacher und schneller verarbeitet. Das Denken ist negativ und eingeengt, der Weitblick fehlt. Wir denken, fühlen und handeln anders als sonst.

In diesem Notfallmodus interagieren wir Menschen auch anders. Um diese interaktionellen Veränderungen geht es u.a. in diesem Artikel.
Das Bewusstsein für den Notfallmodus ist bedeutsam für ein tieferes Verständnis für uns selbst.
Dieser Artikel ist diesem Verständnis und Bewusstsein gewidmet. In unseren zwischenmenschlichen Beziehungen führt uns die fehlende Kenntnis des Notfallprogramms oft in die Irre.
U.a. tragen Notfallmodus und Überlebenskampf in toxischen, narzisstisch/co-narzisstischen Konstellationen in eine sich wiederholende Sackgasse der Eskalation.
Ebenso zu Fehlinterpretationen, Lösungsversuchen an der falschen Stelle und einem Wegdriften von der eigenen Wahrnehmung. Das Ergebnis: Wiederkehrende Drama-Kreisläufe, Streit, Hass, Täter-Opfer-Denken und so weiter.

Drama-Kreisläufe verhindern, dass wir uns wahrhaft von fremden Themen lösen. Sie halten davon ab, tief zu verstehen, innerlich ganz zu werden und sich weiter zu entwickeln.

Alle Artikel hier folgen dem Self-Empowerment-Ansatz. Selbst-Ermächtigung.
Es geht hierbei auch darum, differenzieren zu lernen, welche Dinge wirklich veränderbar sind und welche nicht. Was Deins ist und was nicht.

Worum es nicht geht: Dass Du Verantwortung für einen anderen Menschen übernimmst, sein Verhalten analysierst, entschuldigst oder (Dich selbst) anklagst.
Sondern darum, bei Dir anzukommen. Verantwortung dort wahr- und anzunehmen, wo es Dir dient: Bei Dir selbst.
Dein Gegenüber seine Verantwortung für die eigenen Prozesse tragen lässt.

Dazu muss nicht verleugnet werden, was Du erlebt hast. Im Gegenteil. Es geht um die Anerkennung dessen, was in Dir gefühlt und erlebt wurde.
Darum, Verletzungen in Dir zu fühlen, sie zu Dir zu nehmen. Dich mit ihnen vertraut zu machen. Dich mit ihnen kennen- und annehmen zu lernen.

Wut, Trauer und Schmerz sind leidvolle Gefühle für uns. All diese, unsere Gefühle haben ihre Daseinsberechtigung. Über unser Fühlen können wir einen Zugang zu tieferen Schichten unseres Wesens und Seins finden.
Die Botschaft unserer Gefühle verstehen lernen, sie als Wegweiser nutzen.
Self-Empowerment bedeutet auch, Bewusstsein und Selbstreflektion zu schulen. Das hat mit der Wahl einer Perspektive zu tun.

Wir Menschen neigen oft dazu, bei Zurückweisung, Ablehnung und gefühlter Verletzung einem Irrtum zu folgen. Dieser macht Weiterentwicklung unmöglich.
Diesen komplexen Irrtum aufzuklären ist Aufgabe dieses Artikels.
Kurz gefasst: Wenn wir an der Anklage von uns selbst oder unseres Gegenübers festhalten, ist eine Weiterentwicklung und Self-Empowerment nicht möglich.

Die Dinge können nur in Dir gelöst, gefühlt und verstanden werden. Denn das ist der Raum, von dem alles für Dich Bedeutsame ausgeht.
Deswegen lade ich Dich mit diesem Artikel zu einer Selbstreflektion über ein Thema ein, dass jeden Menschen betrifft:

 

B. Die Angst vor Ablehnung, das “Notfallprogramm” und der “Überlebensmodus”

Ich kenne keinen einzigen Menschen, der mit Ablehnung gut umgehen kann. Das kommt nicht von ungefähr. In früheren Zeiten war die Zugehörigkeit zu einem Stamm, einer Gemeinschaft überlebensnotwendig.
Das ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern wissenschaftlich mehrfach bestätigt. Dieser Artikel aus der Zeit beschreibt eindrücklich, dass soziale Ausgrenzung einen massiven Stressor für uns Menschen darstellt.
Der Schutz durch eine Gruppe war stammesgeschichtlich für uns Menschen früher überlebensnotwendig. Wurden wir aus einer solchen Gemeinschaft ausgestoßen, verbannt – also “abgelehnt” – war Überleben bedroht.
Keine Nahrung, kein Schutz vor wilden Tieren oder Kälte. Nur im Verbund war Überleben möglich.

Abgelehnt zu werden, hat in früheren Zeiten nicht weniger als das Näherrücken des Todes bedeutet. Der Ausschluss aus einem Stamm (= Ablehnung) bedeutete Todesangst. Auch als moderne Menschen tragen wir diesen Mechanismus noch in uns. Kein Wunder also, dass die Angst vor Ablehnung Ausmaße einer Todesangst annehmen kann. Wir haben sie heutzutage gut kaschiert. Doch sie ist in uns allen tief verwurzelt.
Dafür dürfen wir erst einmal Verständnis haben.
Niemand, wirklich niemand möchte sich abgelehnt fühlen!

Das ist eine gemeinsame Basis, die uns alle eint. Ob es sich dabei um eine tatsächliche oder subjektiv befürchtete Ablehnung handelt ist nicht von Bedeutung. Was ein Mensch als potentiell bedrohlich für den Ausschluss aus einer Gemeinschaft (= Ablehnung) empfindet, ist individuell. Es hat oft mit der Lerngeschichte und Kultur zu tun. Angst vor Ablehnung ist wahrscheinlich, wenn wir gegen Regeln verstoßen. Gelernte Regeln oder auch konstruierte (durch unsere individuelle Lerngeschichte, z.B. “Wenn ich jetzt sage, dass ich das nicht so möchte, bekomme ich Ärger” – evtl. verknüpft mit der Angst vor Ausschluss aus der Familie früher o.ä.).
Viele dieser Regeln befolgen wir unbewusst. Analog zu versteckten Glaubenssätzen, laufen sie automatisch die ganze Zeit in uns ab.

Individuelle Unterschiede:

Abhängig davon, was wir gelernt und erlebt haben. In unserer Geschichte hat sich jeder von uns viele Male abgelehnt gefühlt. Wir haben Todesangst erlebt. Mit diesen Erfahrungen haben sich verschiedene Schlüsselreize – oder Auslöser – in unser System gebrannt. Eindrücke, die mit den damaligen Ablehnungen in Verbindung standen. Begegnet uns heute ein solcher Reiz, schalten wir automatisch in den Notfallmodus. Der Reiz kann ein Thema (z.B. ein Gespräch über Narzissmus), ein Mensch mit bestimmten Attributen (z.B. ein Vollbart, wie der Vater einen hatte), eine Situation (jemand versetzt mich oder ich bin zu spät dran), eine zwischenmenschliche Konstellation (ich werde als einzige in der Gruppe nicht gefragt, was ich unternehmen möchte, der Partner beschäftigt sich mit dem PC) oder sogar ein Geruch sein (z.B. gekochter Rosenkohl, wenn die gewaltbereite Mutter den immer gekocht hat).

In diesem Artikel geht es hauptsächlich um die Programme aufgrund der Angst vor Ablehnung. Doch dass gewisse Schlüsselreize (traumarelevante Stimuli oder Trigger) derartige Programme auszulösen vermögen, wissen wir auch aus der Forschung rund um die posttraumatische Belastungsstörung. Das Vermeiden derartiger Situationen/Reize verschlimmert übrigens die Symptomatik! Mehr dazu >>>

Neben den Auslösern sind auch die Strategien für den Umgang mit Notfallprogrammen individuell. Wir setzen diese ein, um tatsächliche oder befürchtete Ablehnung (emotional und physiologisch gleichbedeutend mit unserem Tod) zu verhindern.
In dieser subjektiven Todesangst sind wir im Notfallmodus. Der Überlebenskampf beginnt. Einige Menschen versuchen ihr Verhalten schon so zu formen, dass derartige Situationen erst gar nicht entstehen. Z.B. indem sie sich unterordnend und angepasst verhalten. Eigene Bedürfnisse so weit zurückstellen, dass sie nicht mehr spürbar sind. Um zu verhindern, dass Andere sie ablehnen.
Andere Menschen sind permanent “auf Krawall gebürstet” und stets “kampfbereit”. Sie sind laut, dominieren und versuchen sich als “unersetzlich” darzustellen. Das kann einschüchternd wirken und vielleicht verhindern, dass jemand sie “angreift”. Oder auch nur auf die Idee kommt, sie aus einer Gruppe zu stoßen.
Das alles sind nur Beispiele für individuelle Strategien.

Automatische, (erworbene) Strategien werden eingesetzt:
1. Präventiv – um Angst vor Ablehnung gar nicht erst zu spüren, Ablehnung zu verhindern oder
2. Akut – um eine bereits aktive Angst wieder zu regulieren

Im Notfallmodus kämpfen wir, physiologisch und psychologisch gesehen, ums nackte Überleben.
Wir agieren mit Tunnelblick. Sehen nicht links, noch rechts. Walzen andere Menschen platt. In diesem Zustand können wir gar nicht anders. Wir sind ausschließlich auf unser Überleben konzentriert.
Von außen betrachtet wirkt es oft irrational und unverständlich. Doch – wir stecken eben nicht im Seelenleben des Anderen drin.
In diesem Zustand verhält sich auch der moderne Mensch wie ein ängstliches Tier. Und ängstliche Tiere greifen an, fallen in die Erstarrung oder flüchten.

Stress, Todesangst, Notfallprogramm. Flucht oder Kampf. Das ist ein allgemein anerkanntes und wissenschaftlich mehrfach bewiesenes Modell. Mehr dazu >>>
In diesem Modus sind wir nicht mehr in der Lage, auf andere Menschen einfühlsam zu reagieren. Und: Dieser archaische Mechanismus steckt in uns Allen!

Das Problem:

Wir sind uns dessen kaum bewusst!
Befinden sich zwei unbewusste Menschen in diesem Notfallmodus, ist eine Klärung unmöglich. Eine Eskalation sehr wahrscheinlich. Die Todesangst im Überlebenskampf fordert eine Veränderung. Meistens versuchen wir, den Auslöser auszuschalten, um die Bedrohung abzuwenden.
Mit anderen Worten: Jemand drückt unseren “Knopf”. In unserem Schleier aus Angst glauben wir irrigerweise, dass dieser Jemand für unsere Todesangst verantwortlich ist. Dieser Jemand ist die Bedrohung! Glauben wir.
Tatsächlich hat der Andere durch sein Verhalten nur den Finger auf den Auslöser gelegt. Das Notfallprogramm startet in uns. Die Todesangst wird gefühlt (bewusst oder unbewusst).
Die wahre Ursache liegt immer in den tieferen Schichten von uns selbst.

Vorsicht Falle:

Das bedeutet nicht (!), dass wir für uns schadhafte Situationen aushalten, Grenzüberschreitungen oder Gewalt dulden müssen (weil es ja an uns liegt)! Wir dürfen und müssen unsere Grenzen ziehen! Es ist wichtig klar zu sagen, wann es reicht und gut ist (Das ist nicht das Notfallprogramm!)! Es geht hier um die Reflektion, wann das eigene Notfallprogramm startet und was ggf. dahinter liegt (Glaubenssätze, Tabus, Regeln usw.).

Eine Eskalation startet, wenn wir unbewusst sind. Wenn wir in unserem inneren Chaos, unserer Angst unseren eigenen Notfallmodus nicht erkennen, den Anderen für unsere Angst verantwortlich machen. Denn die Angst ist immer in uns.
Sehen wir das nicht, greifen wir an oder fahren unsere Strategien. Energetisch hat dies sofort eine Wirkung. Das Notfallprogramm des Gegenübers, sein Überlebenskampf startet ebenfalls.
So stehen sich zwei ums Überleben kämpfende Menschen gegenüber. Beide machen den jeweils Anderen für ihr Erleben verantwortlich. Diese beiden können sich in diesem Zustand niemals einig werden. Die Situation wird sehr wahrscheinlich eskalieren. Beide werden im jeweils Anderen die Gründe für ihre Angst zu eliminieren versuchen. Es erfolgt ein Angriff. Was wieder zur Wahrnehmung der Bedrohung führt und so weiter und so fort.

Hier kommt die Facette des Bewusstseins ins Spiel. Beginnen wir hier, uns zu beobachten, uns kennenzulernen, können wir mehr und mehr Verständnis über die Dynamik in uns selbst und unseren zwischenmenschlichen Begegnungen gewinnen. Das ist der Ausgangspunkt für Veränderung, Ent-wicklung und Heilung (innere Ganzwerdung).

 

C. Verständnis für Gemeinsamkeiten und Unterschiede im “Überlebenskampf”

Wir Menschen tragen es alle in uns, Ablehnung verhindern zu wollen. Ebenso wie wir im Angesicht einer tatsächlichen oder befürchteten Ablehnung egozentrisch werden.
Nochmals: Für unser System geht es subjektiv ums nackte Überleben!

Selbst wenn es keine reale, für uns nachvollziehbare Ablehnung gibt, kann ein anderer Mensch durch einen für ihn “bedrohlichen” Reiz in seinen Notfallmodus rutschen. Um sich schlagen, flüchten oder erstarren.
Als Interaktionspartner werden wir hier zu Protagonisten eines Überlebenskampfes unseres Gegenübers. Oder dieser zum Protagonisten unseres Kampfes.
Wird das Notfallprogramm (auf Basis unserer individuellen Lerngeschichte) gestartet, öffnet das Raum für Projektionen. Der innerlich ablaufende Film der Bedrohung wird (zumindest teilweise) auf die Außenwelt und unsere Mitmenschen projiziert.

Sind wir unbewusst in diesem Notfallmodus, fühlen, denken und handeln wir gemäß der Informationen des Notfallprogramms. Dieses zieht v.a. potentiell bedrohliche Informationen in den Fokus. Um subjektiven Schaden (z.B. auch abgelehnt, ausgestoßen zu werden) zu verhindern. Wie bereits erwähnt, beruft sich unser System dabei v.a. auf frühere Erfahrungen. Die Lerngeschichte. So schwappen frühere Erfahrungen – oft ohne unsere Kenntnis – ins Jetzt.
Weil unser System uns zu schützen versucht, finden wir in den Gesichtern und Verhaltensweisen anwesender Menschen eben das, wonach unser System sucht. Wir finden wir Anzeichen der Bedrohung oder Gefahr. Das Abbild der früheren Bedrohung wird in den jetzigen Moment projiziert. Solange wir uns nicht bewusst sind. Es ist ganz wichtig, diesen Vorgang selbst nicht zu verurteilen. Denn er ist als Schutzfunktion unseres Systems gemeint.
Wir dürfen durch zunehmende Selbstreflektion mehr und mehr erkennen lernen, wann so ein Überlebenskampf startet. In uns und Anderen.

Stellen wir einen solchen (unbewussten) Überlebenskampf beim Anderen fest, ist es enorm wichtig, diesen beim Anderen zu lassen (sein Kampf, sein Auslöser).
In diesem Stadium sind wir alle nicht bereit, eine Situation zu klären. Jeglicher Hinweis kann nur als erneuter Angriff verstanden werden.
Als Bild: Wenn Du subjektiv am Ertrinken bist und ein Anderer sagt Dir vom Ufer aus, dass das doch gar nicht bedrohlich ist – wie würdest Du Dich fühlen? Abgelehnt? Missverstanden? Du kriegst den Punkt…

Klärung kann möglich sein, wenn Beide im Anschluss mit Offenheit und Bewusstsein für eigene Auslöser und Automatismen ins Gespräch gehen.
Wenn nicht, dann bitte ich Dich: Lasse dieses Thema bei Deinem Gegenüber und versuche, Dich verständnisvoll, aber auch klar davon zu distanzieren (dazu später mehr).

Wir hatten es bereits: Die Auslöser für den Überlebenskampf sind individuell unterschiedlich. Auch die Geschichten sind es.
Der Eine fühlte sich früher aufgrund seines Gefühlslebens abgelehnt. Der Andere aufgrund erwarteter, aber nicht erfüllbarer Anforderungen. Wiederum ein Anderer wegen fehlender Beachtung seiner Individualität. Der Eine zeigt seine Gefühle nicht mehr. Der Andere versucht immerzu, die Erwartungen Anderer zu erfüllen. Wiederum ein Anderer möchte immer wahrgenommen und bestätigt werden. Nur Beispiele. Die Reaktionen können auch noch komplexer sein. Wenn jemand aufgrund von Ablehnung aufgrund von fehlender Beachtung dazu übergegangen ist, “sich klein zu machen”. Um keinen Preis auffallen zu wollen! Sich nicht zu zeigen, ist demnach eine Vermeidungsstrategie. Eine, um das Risiko von (erneuter Ablehnung) zu minimieren.

 

D. Überlebenskampf in narzisstisch/co-narzisstischen Konstellationen:

Für einen Menschen, den wir als “narzisstisch” bezeichnen, geht es vielleicht darum sein Selbstbild in jedem Fall zu schützen. Verantwortung zu meiden und Kontrolle zu behalten (sonst Todesangst, Angst vor Ablehnung).
Diese Untiefen werden umschifft. Auch mit den entsprechenden (egozentrischen) Strategien. Der narzisstische Notfallmodus.
Der Counterpart – die “co-narzisstische” Seite – darf vielleicht auf keinen Fall ein schlechter Mensch sein (Ideal-Selbst). Oder an sich selbst denken, sich abgrenzen (sonst Todesangst, Angst vor Ablehnung).
Das Bemühen der beiden Seiten ist auf dasselbe Ziel ausgerichtet: nicht abgelehnt zu werden. Todesangst zu verhindern. Das Gemeinsame.
Verschieden sind die mit der Angst vor Ablehnung verknüpften Themen. Die Strategien und Umgangsweisen.
Siehe hierzu auch die Artikelserie zum empathisch/narzisstischen Magnetismus.

Wie bereits in der Artikelserie teilen beide eine Gemeinsamkeit (wie wir alle!). Die Angst vor Ablehnung.
Es handelt sich nur um verschiedene Strategien und Umgangsweisen.
Der Eine mag sich nie wirklich voll einlassen, weil er Angst vor Verantwortung (und Ablehnung) hat. Er mag sich Hintertürchen offenhalten, Tatsachen subjektiv umkehren, sich nicht mehr melden (Ghosting), auf Distanz gehen. Manipulieren, externalisieren. Und vielleicht weiterziehen oder es androhen. Immer dann, wenn es seinen Vorstellungen (contra Selbstbild) zuwiderläuft. Denn sonst kommt die Angst. Oder wenn die Verantwortung für das Gemeinsame eingefordert wird. Notfallprogramm (siehe auch Artikel zur narzisstischen Wunde).
Der Andere mag im Übermaß die Verantwortung übernehmen, sich voll und ganz einlassen. Mehr noch. Oft ist diese Loyalität bereit, zu kämpfen. Um jeden Preis. Unter Inkaufnahme des Verlusts der eigenen Werte, Wahrheiten und Klarheit. Und auch das ist ein unbewusster Notfallmodus (siehe Artikel zur empathischen Wunde).

Die Ziele sind identisch (Angst vor Ablehnung, Verlust, Tod reduzieren). Die Strategien im Rahmen der ablaufenden Notfallprogramme (zum Abbau der Angst) sind dagegen völlig verschieden.
In meiner Artikelserie erfährst Du noch mehr über korrespondierende Mechanismen des narzisstisch/co-narzisstischen Magnetismus.

Zurück zum Thema…

 

E. Fehlannahmen und Irrtümer aus dem anhaltenden Überlebenskampf

In und nach toxischen Beziehungen suchen Viele nach Veränderung, Ent-wicklung, Erlösung von Leid, Schmerzen, diesem inneren Chaos.
Weil derartige Beziehungen beinhalten, dass gegenseitige Ablehnungsängste getriggert werden, kommt es mit der Zeit oft zu chronischem Stress.
Das Notfallprogramm läuft nicht nur kurz und einmalig, sondern permanent. Dass innerlich ein anhaltender Überlebenskampf tobt, ist den Beteiligten währenddessen selbst oft nicht klar.
Aus meiner Sicht ist das auch einer der Gründe, weshalb in toxischen Beziehungen mit der Zeit auch körperliche Symptome und Erkrankungen in Erscheinung treten können.
Dr. Dorothea Ranft hat hier einen sehr guten und differenzierten Artikel zu chronischem Stress verfasst.

Befinden wir uns unbewusst in diesem anhaltenden Überlebenskampf, ist irgendwann der Schmerz, das Leid zu groß.
Die durch das Notfallprogramm getriggerten Gefühle (z.B. sich klein, ausgeliefert, verunsichert fühlen) und Glaubenssätze (z.B. “Ich darf meine Wahrheit nicht sprechen”, “Ich muss mich anpassen, sonst…”) sind zu alltäglichen oder wiederkehrenden Begleitern geworden. Unbemerkt. Schleichend. Das Dauernotfallprogramm wurde zur neuen Normalität.

Dass wir zudem nach wie vor Angst vor Ablehnung haben, ist uns ebenso unbewusst.
Im Nebel der Angst vor Ablehnung und der alten getriggerten Gefühle überschlagen sich innere Glaubenssätze, Annahmen. Sie vermengen sich mit aktuellen Ereignissen und stattfindenden Projektionen.
Diese beiden Aspekte können sich vermischen – was meistens, wenn nicht immer der Fall ist. Wir finden erst recht keine Klarheit, keinen Halt in uns.

Wir wollen ab einem bestimmten Zeitpunkt einfach nur noch, dass es aufhört. Doch dieses Es besteht aus mehreren Komponenten.
Das fehlende Bewusstsein darum führt uns in die Irre.

Die folgenden, wenig hilfreichen Lösungsversuche sind mir im Laufe der Jahre immer wieder begegnet:

1. Den Anderen (der unser Notfallprogramm triggert) auszuschalten. Damit unseres in seiner Aktivität herunterfahren kann.
2. Den Anderen aus seinem Notfallprogramm zu holen (dass dieser endlich erkennt, dass wir keine Bedrohung für ihn darstellen), d.h. wir versuchen ihn zu “retten”.
3. Unser eigenes Notfallprogramm zu ignorieren, zu beschwichtigen. Wir erkennen es also nicht an. Spalten dadurch auch einen Teil von unserem eigenen Erleben ab.
4. Die “Schuld” dafür übernehmen, dass der Andere in seinem Notfallprogramm ist (weil dieser das selbst glaubt oder uns glauben lassen möchte). D.h. wir identifizieren uns mit den Projektionen i.R. des Notfallprogramms des Anderen.
5. Das Verhalten darauf ausgerichtet wird, den Notfallmodus des Anderen zu verhindern (Verantwortung für den Anderen zu übernehmen) – oft um den Preis der eigenen Wahrheit.

Diese Lösungsversuche beinhalten Fehlannahmen. Sie führen nur zu noch mehr Verwirrung, Leid und Selbstentfremdung.

Befinden sich zwei Menschen in ihrem Überlebenskampf, sind sie einander auch Projektionsflächen des eigenen Notfallprogramms. Das betrifft beide Seiten!
Das Ergebnis sind endlose Diskussionen darüber, wer nun Recht hat, sich angemessen und wer sich unangemessen verhält. Wir kämpfen gegeneinander. Oder um etwas.
Beide stecken in ihrem ureigenen Notfallprogramm. Die Einfühlung in den Anderen ist hier einfach nicht mehr möglich.
Einfühlung bedeutet nicht, dass der Andere Recht hat, wir “mitspielen” müssen. Einfühlung bedeutet Bewusstsein darüber, was gerade geschieht.
Z.B. “Bei ihm/ihr startet gerade ein Überlebenskampf. Ich lasse ihn/sie damit jetzt mal, bis ein Gespräch wieder möglich ist.” Oder – so fern es einen selbst betrifft: “Das macht gerade etwas mit mir, da wird Etwas losgetreten – dafür nehme ich mir jetzt kurz Zeit.”

Die zentrale Frage an dieser Stelle ist: “Schaffen wir es, hier bei uns zu bleiben?”
Also den Überlebenskampf des Anderen als eben das zu sehen: Seinen Kampf, der mit uns gerade gar nichts zu tun hat.
Und umgekehrt: Den eigenen Überlebenskampf bemerken, wenn er startet und den Anderen erstmal nur als Auslöser zu sehen.
Das ist nicht immer einfach und – es erfordert Training!

In derartigen Konstellationen geht es auch darum, dass wir verständnisvoll bleiben: Für unseren eigenen Überlebenskampf und den des Anderen. Für die Prozesse, die ablaufen.
Auch darum, eine klare Haltung und weise Distanz zu wählen, wenn unser Gegenüber seinen Überlebenskampf als Realität darstellt. Wenn er uns in diesen hineinziehen möchte. Wenn Angebote zum Einnehmen einer Rolle ausgesprochen werden.
Oder: Wenn wir selbst uns dabei erwischen, dass wir in eine Rolle gehen.
Hierzu kann Dir mein Video zum Drama-Dreieck ggf. eine Hilfe sein.

Ganz wichtig: Die Ebene der eigenen Wahrnehmung nicht zu verlassen. Denn: Die Arbeit mit dem individuellen Notfallmodus ist immer eine sehr intime und eigenverantwortliche. Alles andere wäre eine Grenzüberschreitung.
Das bedeutet, dass es auch darum geht, den Anderen damit stehen zu lassen, wie er/sie ist. Wir können nur entscheiden, wie wir selbst uns diesbezüglich verhalten möchten.
Was unser Gegenüber erkennen kann oder möchte, ist seine Sache.
Werden wir aufgefordert, dem zuzustimmen und mitzuspielen, müssen wir bewusst und für uns selbst entscheiden, was wir diesbezüglich wählen. Wollen wir in dieses Spiel einsteigen?
Wiederum hierzu das YouTube-Video zum Drama-Dreieck.

 

F. Wege aus dem Überlebenskampf – hilfreiche Ansätze und Impulse

In und nach toxischen Beziehungen suchen wir nach Antworten und Gründen, weshalb es uns so schlecht geht.
Im Moment des Überlebenskampfes können wir jedoch nicht klar sehen.
Wir können auch kein Kreuzworträtsel lösen, während wir vor einem Tiger auf der Flucht sind. Die Klarheit fehlt für die passenden Antworten.

Daher empfehle ich folgende 7 Schritte:

1. Das eigene Notfallprogramm erkennen lernen – wenn es aktiviert wir und durch was. Es dadurch auch annehmen lernen (Erinnerung: Jeder hat es!).
2. Sich Zeit für sich selbst in diesem Notfallprogramm nehmen. Es und damit sich selbst kennenlernen (“Das gehört zu mir dazu!” – Ein guter Teil der Ladung verschwindet bereits, wenn wir erkennen, dass wir drin sind).
3. Das Notfallprogramm regulieren lernen, durch gezieltes Runterfahren (Arbeit mit Entspannungsverfahren, Meditation, Achtsamkeit, Sport und ggf. einem Training zum Halten der Gefühle).
4. Dann – in einem Zustand vermehrter Klarheit – die zurückliegende Situation betrachten und sich die Frage stellen: “Was ist da in mir aus welchen Gründen angesprungen?”
5. Sich weiter Fragen, ob das Notfallprogramm an dieser Stelle vielleicht auch eine Botschaft für uns hat. Z.B. wenn unser Gegenüber wiederholt in seinem Notfallmodus unreflektiert um sich schlägt und aggressiv und verletzend ist.
6. Diesbezüglich zu einer Klarheit gelangen und eine kraftvolle Entscheidung treffen. Gut möglich über die Frage: “Was gedenke ich künftig diesbezüglich zu tun?”
7. Immer besser verstehen lernen, wo unsere eigenen Notfallprogramme starten. Erarbeiten, wie wir mit denen Anderer verständnisvoll umgehen und bei uns bleiben können. Ohne für diese die Verantwortung zu übernehmen.

Wir Menschen verfangen uns gerne in dem, was der Andere tut. Welche Gründe, Motive sein Verhalten haben könnte etc. Wir analysieren, spekulieren und interpretieren. Um irgendwie Klarheit und Orientierung zu gewinnen. Doch im Fokus auf den Anderen finden wir keine Klarheit. Keine Orientierung.
Wir finden dort nur eins: Den Anderen. Sein/ihr eigenes Universum. Inklusive der Programme, Ängste und Verhaltensweisen. Vielleicht mit den “Spielen”, die gespielt werden.
Wir Menschen spielen alle unbewusst Spiele. Denn es ist immer alles in uns. Oft spielen wir diese unbewussten Spiele, um bei uns selbst nicht hinsehen zu müssen.
Bewusst oder unbewusst benutzen (wertungsfrei!) wir Begegnungen mit anderen Menschen. Um uns besser zu fühlen. Um keine Angst haben zu müssen, um uns sicher zu fühlen usw.

Manipulation (wertungsfrei!) beginnt im Grunde genommen bereits da, wenn wir Strategien entwickeln, um etwas Bestimmtes zu erreichen.
Wenn der Affe die Banane öffnet, manipuliert er sie. Er hat Hunger und möchte das Hungergefühl loswerden.

Wir alle werden durch unsere Ängste manipuliert. Unser Verstand manipuliert unser Selbstbild, unser Denken, Fühlen und Handeln.
Wir alle glauben fest an konstruierte Geschichten, die nur einen Bruchteil der Realität beinhalten können. Weil wir so vieles an und in uns selbst (noch) gar nicht sehen können.
Das ist ein Weg. Bis dahin brauchen wir diese Geschichten. Weil sie einen Sinn ergeben und wir dann an etwas glauben können. Doch es bedeutet nicht, dass wir die Wahrheit kennen.
Doch wie oft glauben wir, dass wir die Wahrheit kennen?

Resumée:

Es gibt Menschen, von denen wir sagen, dass sie narzisstisch sind. Was nicht mehr oder weniger bedeutet, als dass es ein Modell oder Konzept gibt, das bestimmte Gemeinsamkeiten im Denken, Fühlen und Verhalten beschreibt und unterstellt.
Es bedeutet aber nicht, dass wir dadurch das komplexe Universum des individuellen Menschen verstanden haben, der diese Verhaltensweisen zeigt. Es bedeutet ebenso wenig, dass wir gut finden oder mittragen müssen, wie dieser sich verhält.
Auch nicht, dass wir Verantwortung für diesen Menschen und deren Notfallprogramme übernehmen müssen.

Wir dürfen sehen und wahrnehmen, wie der Andere seine Spiele spielt. Und weise Distanz dazu wählen!

Doch wir dürfen auch zu sehen beginnen, dass wir selbst Spiele spielen. Indem wir nicht bei uns und unserer Wahrheit bleiben. Oder wenn wir uns von ihr entfernen, um XYZ zu erreichen. Um etwas nicht zu fühlen. Vielleicht, um eine Situation zu befrieden, zu harmonisieren, die vielleicht gar nicht friedlich und harmonisch ist. Weil wir vielleicht Disharmonie oder den Gedanken ans Alleinsein nicht aushalten.
Das Spiel, unbewusst Verantwortung für das Verhalten und Fühlen eines Anderen zu übernehmen. Vielleicht um zu verhindern, dass er/sie uns nicht verlässt. Auch das ist ein Spiel. Ein anderes, aber auch ein Spiel.
Ein Spiel, das davon ablenkt, wofür wir eigentlich wirklich verantwortlich sind. Dafür, in unserer eigenen Wahrnehmung und Wahrheit zu stehen. Ganz unabhängig davon, was ein Anderer über uns sagt.

Ein Spiel, das uns Menschen alle eint: Wenn wir unseren Schmerz, unsere Angst fühlen, wenden wir uns von den inneren Gründen ab und suchen die Ursache beim Anderen.

Indem wir in unserer Anklage des Anderen verhaftet bleiben, verwehren wir uns selbst den Zugang zu Ent-wicklung und Heilung.
Selbstreflektion und die Entscheidung, sich dem Erkunden der eigenen Innenwelt zuzuwenden, sind die Schlüssel.

Es klingt sehr trivial: Wenn wir eine Wunde haben, die schmerzt, offenliegt und vielleicht sogar entzündet ist, dann hilft es uns nicht, dem Anderen einen Verband anzulegen. Es hilft uns auch nicht, ihn/sie zu besänftigen. Oder es ihm/ihr Recht machen zu wollen – um eine erneute Verletzung zu verhindern. Es beginnt immer bei uns selbst.

Daher lade ich mit diesem Artikel über den Überlebenskampf auch noch zu einem weiteren Schritt ein:
Lass die Anklage los.

Wenn Du wahrhaft Veränderung in Deinem Leben möchtest – gehe den ersten Schritt Richtung Loslassen.
Mit der Kraft einer Entscheidung: Bei Dir zu bleiben. Den Überlebenskampf meistern zu lernen.
Jeden Tag ein Stück mehr.

Alles Liebe, einen kraftvollen Prozess und – bis zum nächsten Mal!
Namasté,
Deine Kristina

P.S.: Über Rückmeldungen, Empfehlungen, Kommentare und das Teilen des Artikels freue ich mich sehr!

P.P.S.: Wenn Du diesen (oder andere) Artikel bewerten möchtest – seit kurzem gibt es eine Review-Seite. Hier hast Du die Möglichkeit, Erfahrungsberichte und Bewertungen abzugeben.
Auch hierüber freue ich mich!

 

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Die modellhaften Annahmen basieren auf jahrelanger, beruflicher Beobachtung, persönlicher Erfahrung/Erkenntnis und Einbezug von Wissen (aus der Psychoanalyse, Psychodynamik, Entwicklungspsychologie). Ich möchte bezüglich der Inhalte auf das Urheberrecht verweisen. Die Artikel, also auch Annahmen und Hypothesen dürfen gerne geteilt und weitergegeben werden. Dies aber bitte immer nur unter Nennung der Quelle (meinem Namen und Angabe der Webseite).


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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Liebe Kristina, vielen Dank für diesen tiefgreifenden Artikel. Zwei Dinge hallen in mir nach:
– das Notfallprogramm erkennen
– Weise Distanz halten oder eigen Grenzen erkennen
Ich glaube, das empatische Menschen diese beiden Dinge relativ schnell spüren und erkennen und auch die damit verbundenen Ängste. Es bedarf jedoch viel Mut, vor den Anderen für sich einzustehen und Anderen seine Grenzen aufzuweisen, gerade wenn man nur schlecht mit Disharmonie umgehen kann oder die Konsequenzen des eigenen Handeln voraussehen kann, nämlich Ablehnung, Trennung. Ich hatte diesen Mut und habe die Ablehnung und die damit verbundene Trennung kassiert. Und auch wenn sich das im ersten Moment gut und richtig angefühlt hat und ich stolz auf mich war, kämpfe ich nun mit mir, es ist wie eine Achterbahn, vielleicht sind da die Notfallprogramme oder Glaubenssätze doch so tief verankert, dass sie den Blick nach vorne und den errungenen Selbstwert schwächen können? Ich bereue es in keinster Weise und doch vermisse ich den inneren Frieden und die Lebensfreude, den ich mir aus dieser Tat erhofft hatte. Liebe Grüße

Antworten
    Kristina Peters
    14. Oktober 2020 22:42

    Liebe Beate, das freut mich sehr. Danke für Deinen offenen und mutigen Kommentar! Den Mut braucht es definitiv – bzgl der eigenen Empfindungen, des Erlebens und der Grenzen. Die Klarheit und Entscheidung, sich mitzuteilen. Es ist herausfordernd, das zu sich zu nehmen und selbst nicht in die Anklage zu verfallen. Alles ist ein Prozess…Und eine Trennung ist neben Tod eine der schmerzhaftesten Ablehnungserfahrungen. Ich glaube, dass es v.a. darum geht, eine zentrale Ablehnung loszulassen – die gegenüber sich selbst. Dann entsteht im Inneren das, was im Außen bis dahin gesucht wurde. Notfallprogramme vielleicht auch in Bezug auf Disharmonien, die wiederum andere Notfallprogramme triggern. Es ist komplex. Und es muss nicht bis zum Ende verstanden werden. Manchmal genügt einfach das Bewusstsein, dass es passiert. Der Schmerz gehört dazu und steht niemals im Widerspruch zu einer klaren Entscheidung. Und Dein Wert IST. Zwischen uns und dem, was wir diesbezüglich fühlen und sehen, liegen einige Verzerrungen. Das ist die Wahrnehmung von geringem Selbstwert. Das Bild. Nicht die Realität. Lebensfreude IST ebenso. Den Zugang wieder entdecken und vielleicht (?) Selbstvorwürfe und gelegentliches Zweifeln oder Schuldgefühle (?) nach und nach erkennen und mit ihnen sein können. Ohne ihnen zu glauben, eine Geschichte daraus zu spinnen. Denn “Ja, das gehört alles zu mir und meinem inneren Universum”. Alle Liebe auf Deinem weiteren Weg… Kristina

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